31. Mai 2016

An­for­de­rungs­pro­fil

Das An­for­de­rungs­pro­fil nimmt im Rah­men der Er­stel­lung des ÖPNV-Kon­zep­tes für das süd­li­che Leip­zi­ger Neu­se­en­land eine be­deu­ten­de Stel­lung ein. Im An­for­de­rungs­pro­fil sind die Ziele für die künf­ti­ge ÖPNV-Be­die­nung und die we­sent­li­chen ÖPNV-Qua­li­täts­merk­ma­le im süd­li­chen Leip­zi­ger Neu­se­en­land fest­ge­legt. Es dient als Maß­stab und zu­sätz­li­che Grund­la­ge für die Be­wer­tung der ge­gen­wär­ti­gen Si­tua­ti­on (räum­lich dif­fe­ren­zier­te Stär­ken-Schwä­chen-Ana­ly­se) und für die Ab­wä­gung und Dis­kus­si­on von Lö­sungs­an­sät­zen für die Kon­zep­ti­on des künf­ti­gen ÖPNV-An­ge­bo­tes im süd­li­chen Leip­zi­ger Neu­se­en­land sowie für die Ab­lei­tung kon­kre­ter Maß­nah­men.

In­wie­weit der­zeit vor­han­de­ne qua­li­ta­ti­ve und quan­ti­ta­ti­ve Ab­wei­chun­gen von die­sem de­fi­nier­ten An­for­de­rungs­pro­fil auch einen Hand­lungs­be­darf be­grün­den, wird auf der Grund­la­ge der kon­kre­ten Rah­men­be­din­gun­gen und Prio­ri­tä­ten unter Be­rück­sich­ti­gung fi­nan­zi­el­ler und wirt­schaft­li­cher As­pek­te im Ein­zel­fall ent­schie­den.

Im Fol­gen­den sind we­sent­li­che Eck­punk­te des An­for­de­rungs­pro­fils kurz dar­ge­stellt und er­läu­tert.

Die Glie­de­rung des ÖPNV-Net­zes im süd­li­chen Leip­zi­ger Neu­se­en­land in Netz­ebe­nen bil­det eine we­sent­li­che Grund­la­ge für die Fest­le­gung der An­ge­bots­min­dest­stan­dards, hier­bei wer­den fol­gen­de vier Be­die­nungs­ebe­nen un­ter­schie­den (vgl. Bild 1):

SPNV-Ach­sen:

Diese Ebene be­inhal­tet die Ver­bin­dun­gen im SPNV als Rück­grat des ÖPNV-Sys­tems.

Grund­netz 1. Ord­nung:

Das Grund­netz 1. Ord­nung be­inhal­tet die Ver­bin­dun­gen auf nach­fra­ge­star­ken Re­la­tio­nen, ins­be­son­de­re in Sied­lungs­kor­ri­do­ren ab­seits von SPNV-Stre­cken (i.d.R. Plus­Bus-Netz) mit op­ti­mier­ten An­schlüs­sen zum SPNV-Netz.

Grund­netz 2. Ord­nung:

Das Grund­netz 2. Ord­nung Ebene be­inhal­tet re­gio­na­le Di­rekt­ver­bin­dun­gen sowie ÖPNV-An­ge­bo­te im lo­ka­len Be­reich, Stadt­bus­sys­te­me und auf­ge­wer­te­te Re­gio­nal­bus­li­ni­en auf nach­fra­ge­star­ken Re­la­tio­nen in der Re­gi­on (i.d.R. Re­gi­o­Bus -Netz).

Ergän­zungs­netz:

Das Er­gän­zungs­netz um­fasst er­gän­zen­de Re­gio­nal­bus­an­ge­bo­te, Son­der­ver­keh­re und be­darfs­ori­en­tier­te Be­triebs­for­men in nach­fra­ge­schwa­chen Zei­ten und Räu­men, den Li­ni­en­ver­kehr er­gän­zend bzw. er­set­zend. Die An­ge­bo­te im Er­gän­zungs­netz sind i.d.R. nicht ver­tak­tet und rich­ten sich nach den ört­li­chen Ge­ge­ben­hei­ten (z.B. Schul­zei­ten).

Bild 1: Netz­ebe­nen im ÖPNV-Sys­tem

Die vier Netz­ebe­nen un­ter­schei­den sich hin­sicht­lich ihrer ver­kehr­li­chen Funk­tio­nen, dem Ver­kehrs­mit­tel­ein­satz sowie dem Ver­kehrs­an­ge­bot und wer­den räum­lich und zeit­lich mit­ein­an­der ver­knüpft. Aus der Über­la­ge­rung der zen­tral­ört­li­chen Glie­de­rung, der Sys­tem­ver­füg­bar­keit und der Ana­ly­se der Ver­kehrs­strö­me im süd­li­chen Leip­zi­ger Neu­se­en­land wur­den die Haupt­ach­sen des Grund- und Er­gän­zungs­net­zes ab­ge­lei­tet (vgl. Bild 2).

Bild 2: ÖPNV-Haupt­ach­sen

ÖPNV-Min­dest­stan­dards (Aus­zug)

Er­schlie­ßungs­qua­li­tät:

Alle Ort­schaf­ten, wel­che mehr als 200 Ein­woh­ner oder min­des­tens 30 po­ten­ti­el­len Ein­stei­ger pro Werk­tag (ein­schließ­lich Schü­ler­ver­kehr) an den Hal­te­stel­len des Sied­lungs­ge­bie­tes auf­wei­sen, sind durch den ÖPNV zu er­schlie­ßen. Eine Flä­che gilt dabei als er­schlos­sen, wenn fol­gen­de Er­schlie­ßungs­gra­de (ent­spricht dem An­teil der be­bau­ten Flä­che in­ner­halb der fuß­läu­fi­gen Hal­te­stel­len­ein­zugs­be­rei­che) er­füllt sind:

Ein Raum gilt als er­schlos­sen, wenn er sich im Um­kreis von 300 m Luft­li­ni­en­ent­fer­nung einer ÖPNV-Hal­te­stel­le be­fin­det. Im Zuge be­ste­hen­der bzw. ge­plan­ter Li­ni­en­we­ge ist eine aus­rei­chen­de Er­schlie­ßung mit einem Hal­te­stel­len­ein­zugs­ra­di­us von 150 m an­zu­stre­ben. Diese Werte sind un­ab­hän­gig von der Raum­struk­tur und dem Ver­kehrs­mit­tel.

Be­die­nungs­qua­li­tät:

Die Be­die­nungs­qua­li­tät wird durch ein werk­täg­li­ches fahr­plan­mä­ßi­ges Min­dest­an­ge­bot auf den Ach­sen der Netz­ebe­nen in Ab­hän­gig­keit vom Ta­ges­zeit­raum de­fi­niert. Dabei sind auf den Ach­sen der Netz­ebe­nen fol­gen­de Min­dest­stan­dards vor­ge­se­hen:

Am Wo­chen­en­de und an Fei­er­ta­gen wird auf den Ach­sen des Grund­net­zes 1. Ord­nung im re­gio­na­len Bus­ver­kehr im Ta­ges­zeit­raum von 06.00 bis 20.00 Uhr ein ver­tak­te­tes An­ge­bot sowie auf den Ach­sen des Grund­net­zes 2. Ord­nung und im Er­gän­zungs­netz im Ta­ges­zeit­raum von 06.00 bis 18.00 Uhr ein be­darfs­ge­rech­ter Li­ni­en­ver­kehr an­ge­bo­ten.

Ver­knüp­fung und Bar­rie­re­frei­heit:

An den Ver­knüp­fungs­punk­ten soll die War­te­zeit an der Hal­te­stel­le so­wohl bei An­schlüs­sen zwi­schen Bahn und Bus als auch bei Ver­knüp­fun­gen zwi­schen Bus­sen ma­xi­mal 10 Mi­nu­ten be­tra­gen. Um ein weit­ge­hend bar­rie­re­frei­es ÖPNV-Sys­tem im süd­li­chen Leip­zi­ger Neu­se­en­land zu er­rei­chen, wer­den die Ziele ent­spre­chend der zwi­schen MDV und dem Be­hin­der­ten-bzw. Se­nio­ren­ver­band ab­ge­stimm­ten Leit­li­ni­en de­fi­niert.

tou­ris­ti­scher Ver­kehr:

Aus den Er­for­der­nis­sen des tou­ris­ti­schen Ver­kehrs re­sul­tie­ren spe­zi­fi­sche An­for­de­run­gen an den ÖPNV. Um die Be­greif­bar­keit und Ver­ständ­lich­keit des ÖPNV-An­ge­bots auch für aus­wär­ti­ge Be­su­cher zu er­mög­li­chen, sol­len alle Li­ni­en, wel­che vor­ran­gig tou­ris­ti­schen Zwe­cken die­nen einen ein­heit­li­chen Rou­ten­ver­lauf und einen ver­tak­te­ten Fahr­plan auf­wei­sen. Nur tou­ris­ti­sche Ziele mit re­gio­na­ler oder gar über­re­gio­na­ler Be­deu­tung (Ka­te­go­rie 1 und 2, vgl. Seite Tou­ris­mus­ver­kehr) sind durch den ÖPNV ge­son­dert zu er­schlie­ßen. Ziele, wel­che nur eine lo­ka­le Be­deu­tung auf­wei­sen (Ka­te­go­rie 3), wer­den nur in Kom­bi­na­ti­on mit an­de­ren An­ge­bo­ten des All­tags- oder Tou­ris­mus­ver­kehrs be­dient. Ein tou­ris­ti­sches Ziel gilt als er­schlos­sen, wenn er sich im Um­kreis von 300 m Luft­li­ni­en­ent­fer­nung zu einer ÖPNV-Hal­te­stel­le be­fin­det. Eine Be­die­nung er­folgt min­des­tens am Wo­chen­en­de und an Fei­er­ta­gen, Ziele mit über­re­gio­na­ler Be­deu­tung (Ka­te­go­rie 1) dar­über hin­aus auch werk­tags in den Fe­ri­en­zei­ten. Er­for­dert die tou­ris­ti­sche Ak­ti­vi­tät die Mit­nah­me von gro­ßem Ge­päck oder Frei­zeit­ge­rä­ten (Surf­brett, Kanu, Fahr­rad, usw.), ist in den Fahr­zeu­gen eine ent­spre­chen­de Trans­port­mög­lich­keit vor­zu­se­hen. Dabei ist auch der Ein­satz von Fahr­rad­bus­sen zu prü­fen.

Der­zeit wird das ÖPNV-Netz für das süd­li­che Leip­zi­ger Neu­se­en­land auf­bau­end auf dem An­for­de­rungs­pro­fil und der dar­aus ab­ge­lei­te­ten Män­ge­lana­ly­se er­ar­bei­tet. So­bald erste Pla­nungs­er­geb­nis­se vor­lie­gen, wer­den wir Sie an die­ser Stel­le dar­über in­for­mie­ren. Bis dahin schrei­ben Sie uns Ihre Mei­nung zum An­for­de­rungs­pro­fil. Wo be­ste­hen aus Ihrer Sicht De­fi­zi­te im ÖPNV im Neu­se­en­land?

Hier­zu und na­tür­lich auch zu allen an­de­ren Fra­ge­stel­lun­gen rund um den Öf­fent­li­chen Per­so­nen­nah­ver­kehr im süd­li­chen Leip­zi­ger Neu­se­en­land freu­en wir uns über wei­te­re Hin­wei­se und Mei­nungs­äu­ße­run­gen über diese Pro­jekt­web­site.