14. Jan 2016

Aus­gangs­si­tua­ti­on und Pro­jekt­zie­le

Im Nah­ver­kehrs­plan (NVP) des Land­krei­ses Leip­zig wurde ein Maß­nah­men­ka­ta­log auf­ge­stellt, durch des­sen Um­set­zung der Öf­fent­li­che Per­so­nen­nah­ver­kehr (ÖPNV) im Land­kreis wei­ter ent­wi­ckelt wer­den soll. Be­stand­teil die­ses Ka­ta­lo­ges ist auch die Ver­bes­se­rung der tou­ris­ti­schen Er­schlie­ßung mit dem ÖPNV am Wo­chen­en­de bzw. in der Sai­son u.a. für den Zwen­kau­er, den Störmtha­ler und den Mark­klee­ber­ger See. Diese Fest­le­gung des Nah­ver­kehrs­plans bil­det den Aus­gangs­punkt für die Er­ar­bei­tung des ÖPNV-Kon­zep­tes für das Süd­li­che Leip­zi­ger Neu­se­en­land mit dem Um­set­zungs­ho­ri­zont im De­zember 2017.

Da die raum­struk­tu­rel­len Ver­än­de­run­gen (u.a. durch die Seen) und die damit ver­bun­de­nen Ent­wick­lungs­chan­cen im Un­ter­su­chungs­raum so be­deu­tend sind, ist eine iso­lier­te Be­trach­tung der Er­reich­bar­keit tou­ris­ti­scher Ziele nicht ziel­füh­rend. Im Rah­men der Er­ar­bei­tung die­ses ÖPNV-Kon­zep­tes ist es des­halb er­for­der­lich, neben der tou­ris­ti­schen Er­schlie­ßung auch den All­tags-ÖPNV und somit fol­gen­de in­halt­li­che Schwer­punk­te ein­zu­be­zie­hen:

  • Er­mög­li­chung der ÖPNV-Nut­zung für alle po­ten­zi­el­len Nach­fra­ge­grup­pen,
  • Stär­kung der ÖPNV-Nut­zung durch at­trak­ti­ve Ver­kehrs­an­ge­bo­te und Ta­ri­fe,
  • Ver­mei­dung von wo­chen­täg­lich un­ter­schied­li­chen Ver­kehrs­an­ge­bo­ten (z.B. Li­ni­en­füh­run­gen), da diese schlecht kom­mu­ni­zier­bar sind und von den Nut­zern zudem meist schlecht an­ge­nom­men wer­den,
  • Be­rück­sich­ti­gung nicht nur der lo­ka­len und re­gio­na­len, son­dern auch der über­re­gio­na­len An­zie­hungs­kraft der Se­en­land­schaft.

Die Ei­sen­bahn­ver­keh­re im Un­ter­su­chungs­raum sind ent­spre­chend ihrer Lage und Funk­ti­on durch Takt­ver­keh­re ge­prägt, bie­ten ein hoch­wer­ti­ges An­ge­bot und damit grund­sätz­lich gute Ver­knüp­fungs­mög­lich­kei­ten für den Bus­ver­kehr. Die im Un­ter­su­chungs­raum ver­keh­ren­den Plus­Bus-Li­ni­en (100, 107, 144, 258, 276) bie­ten eben­falls eine hohe An­ge­bots­qua­li­tät und sind auf fest­ge­leg­ten Re­la­tio­nen gut mit dem Schie­nen­per­so­nen­nah­ver­kehr (SPNV) ver­knüpft. Au­ßer­halb der Plus­Bus-Li­ni­en wer­den da­ge­gen nur auf aus­ge­wähl­ten Bus­li­ni­en strin­gen­te Takt­ver­keh­re und at­trak­ti­ve Ver­knüp­fun­gen oder Sams­tags-/Sonn- und Fei­er­tags­an­ge­bo­te an­ge­bo­ten. Ins­be­son­de­re hier­für sind im Rah­men der Kon­zep­ter­ar­bei­tung Ver­bes­se­rungs­vor­schlä­ge zu er­ar­bei­ten.

Die we­sent­li­chen Pro­jekt­zie­le las­sen sich somit wie folgt zu­sam­men­fas­sen: 

  • Ver­bes­se­rung der tou­ris­ti­sche Er­schlie­ßung des süd­li­chen Leip­zi­ger Neu­se­en­lan­des,
  • Ver­bes­se­rung der Nutz­bar­keit des ÖPNV für alle We­ge­zwe­cke (Schu­le/Aus­bil­dung, Ar­beit/dienst­lich, Ein­kauf/Be­sor­gung, Frei­zeit/Tou­ris­mus) unter Be­ach­tung des de­mo­gra­fi­schen Wan­dels durch kri­ti­sche Be­trach­tung und Um­struk­tu­rie­rung des Li­ni­en­net­zes und des Ver­kehrs­an­ge­bo­tes,
  • Si­cher­stel­lung des Schü­ler­ver­kehrs,
  • Ver­bes­se­rung der ÖPNV-Er­schlie­ßung durch Ver­dich­tung der Hal­te­stel­len­ab­stän­de nach dif­fe­ren­zier­ten Räu­men und Po­ten­zi­al,
  • Stär­kung der Zu­brin­ger­funk­ti­on des re­gio­na­len Bus­ver­kehrs zum SPNV,
  • Si­cher­stel­lung der Er­reich­bar­keit der Ein­rich­tun­gen der Da­seins­vor­sor­geins­be­son­de­re auch für mo­bi­li­täts­ein­ge­schränk­te Per­so­nen,
  • Ent­las­tung der Re­gi­on vom Mo­to­ri­sier­ten In­di­vi­dual­ver­kehr (MIV) und ru­hen­den Ver­kehr,
  • Er­hö­hung des Frei­zeit- und Wohn­wer­tes im Un­ter­su­chungs­ge­biet,
  • Prü­fung von mul­ti­moda­len An­ge­bo­ten (vor allem Fahr­rad­ver­kehr und Schiffs­ver­kehr) und dem Ein­satz fle­xi­bler Be­dien­for­men,
  • Be­ar­bei­tung von Ta­rif­vor­schlä­gen im Rah­men des MDV-Ta­rifs,
  • Ver­bes­se­rung von Kom­mu­ni­ka­ti­on und Mar­ke­ting und
  • Prü­fung von er­gän­zen­den ÖPNV-Fi­nan­zie­rungs­mo­del­len.

Dabei soll den vier Seen im nörd­li­chen Teil des Un­ter­su­chungs­ge­bie­tes (Co­spu­de­ner, Mark­klee­ber­ger, Störmtha­ler und Zwen­kau­er See) sowie dem Event-Park Be­lan­tis und der sai­so­na­len Per­so­nen­schiff­fahrt be­son­de­re Be­deu­tung zu­ge­mes­sen wer­den, da hier die um­fang­reichs­te tou­ris­ti­sche In­fra­struk­tur zu ver­zeich­nen ist. Zudem wird hier, auch auf­grund der Nähe zum Ober­zen­trum Leip­zig, das größ­te Ver­kehrs­auf­kom­men er­war­tet.

Das zu er­ar­bei­ten­de ÖPNV-Kon­zept soll rea­lis­tisch um­setz­ba­re Maß­nah­men­vor­schlä­gen unter Be­ach­tung der wirt­schaft­lich-de­mo­gra­fi­schen Ent­wick­lung ent­hal­ten, wobei für Maß­nah­men mit An­ge­bots­meh­rung die Po­ten­tia­le zu pro­gnos­ti­zie­ren und die Mög­lich­kei­ten der Fi­nan­zier­bar­keit z.B. auch über Nut­zer- und/oder Dritt­fi­nan­zie­rung auf­zu­zei­gen sind.